Schweinejahr 2016

Montag, 5. Dezember 2016


Bericht von Dr. Johann Schlederer

Weil das Schweinepreisniveau bis Anfang Mai auf einem 7-Jahrestief dahingründelte, waren Ertragslage und Stimmung bis dahin auf dem Nullpunkt. Die Meldungen von extrem hohen Schweinefleischexporten aus der EU nach China konnte man zu Jahresbeginn zwar den internationalen Marktberichten entnehmen, an der Preisbasis waren sie lange nicht spürbar. Erst als die Altbestände aus dem Vorjahr aus den Gefrierlagern geräumt waren, wirkte der Chinasog zurück bis an den Schlachthaken und die Schweinebörse konnte ab Anfang Mai binnen 10 Wochen einen Preisanstieg um 38 Cent erzielen. Damit war die Rentabilität in der Mast wieder gegeben. Mit einem vorläufigen durchschnittlichen Mast-DB von knapp € 20,- kann man in Anbetracht der Situation zu Jahresbeginn doch noch relativ zufrieden bilanzieren.

Die aktuell von der EU-Kommission veröffentlichten Exportzahlen verdeutlichen den bisher noch nie da gewesenen Exportboom Richtung Peking. Konnte man in den Jahren 2012­­­­­–2014 in der Größenordnung 600.000–700.000 Tonnen pro Jahr EU-Schweinefleisch nach China schicken, so war dies 2015 bereits ein Wert von 1.110.000 Tonnen. Doch im ersten Halbjahr 2016 ging es mit dieser Hochlaufkurve noch einmal steil aufwärts. Allein bis zum August 2016 wurden 1.314.000 Tonnen nach China verschifft, was zumindest für diesen Zeitraum fast einer Verdoppelung entspricht.

So erfreulich und hilfreich die „Explosion“ dieses Warenstroms nach China war, so sehr dürfte dieses Ereignis wohl auch mit glücklichen Umständen zusammenhängen. Denn es war nicht gönnerhaftes Verhalten der Zentralregierung in Peking zu Gunsten der europäischen Schweinebauern. Viel mehr war es die Tatsache, dass man in China die nationale Produktion drastisch zurückfahren musste. Hintergrund dieses Bestandsaufbaues waren staatliche Gesundheitsprogramme zur Ausmerzung diverser Schweineseuchen. Die Schweinefleisch liebenden Chinesen verknappten dadurch ihr eigenes Angebot dermaßen, dass die Preise in die Höhe schossen, was letztlich zum EU-Exportboom beitrug.

Nicht nur China boomte
Die chinesische Sogwirkung hat sich nicht nur nach Europa erstreckt, sondern auch über den gesamten asiatischen Raum. So konnte auch der zuletzt stark eingebrochene Export nach Hong Kong mit +38 % wieder belebt werden. Weiters legten Japan 9 % und die Philippinen 21 % zu, während Vietnam sogar verdoppeln konnte, d. h. die 38.000 Tonnen aus dem Jahr 2015 waren 2016 bereits im ersten Halbjahr abgefertigt. Nicht zulegen konnte man bis Jahresmitte in Taiwan (-15 %) und Südkorea (-12 %), wobei letzteres Land gerade für österreichische Exporteure von großem Interesse ist. Apropos österreichische Exporteure: Im Zuge der Exportinitiative durch das BMLFUW und BMGF, gab es im Juli ein Audit chinesischer Inspektoren bei sechs heimischen Schweineschlachtbetrieben mit dem Ziel, möglichst noch heuer auch aus Österreich direkt nach China Schweinefleisch exportieren zu können. Erfreulicherweise gab es Anfang November seitens China ein Aviso, wonach fünf Betriebe im Laufe des nächsten Jahres eine Direktexportlizenz bekommen werden.

USA und Brasilien trüben Ausblick auf 2017
Die zwei zurückliegenden äußerst schwierigen Jahre für die Schweinebauern in der EU lassen die Urkräfte des Schweinezyklus wieder aufleben. In Folge mangelnder Rentabilität bewegt sich der Bestandsabbau einzelner Länder bei bis zu 10 %. Summiert man allerdings die namhaften Schweineländer beispielsweise Deutschland, Dänemark und Spanien, so relativiert sich diese Betrachtung, d. h. die Brutto-Eigenerzeugung am Schlachthaken wird aufgrund der Leistungssteigerungen bei den Zuchtsauen in diesen Ländern kaum unter Vorjahresniveau liegen. Unterm Strich dürfte EU-weit zumindest kein Plus vorne stehen, sodass von dieser Warte aus betrachtet vorsichtiger Optimismus für 2017 angebracht wäre. Zwei Gründe, warum gerade österreichische Schweineerzeuger die Erwartungen nicht allzu hoch schrauben sollten sind aber die weltweit gesunkenen Getreidepreise und die starke Mitbewerbersituation von USA und Brasilien im zurzeit heiß umkämpfen Markt in China und den restlichen Märkten in Asien. Beide Länder liegen wieder auf starkem Expansionskurs und dürften in nächster Zeit wieder für Preisdumping am Weltmarkt sorgen.

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